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Rechtsanwalt Dr. Herbert Orlich |
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Rechtssammlung1.3. Familienrecht 1.3.5. Unterhalt 1.3.5.3. Unterhalt des Ehegatten Allgemeine Fragen zum Unterhaltsrecht, insbesondere auch zur Unterhaltsbemessung, finden Sie im Artikel Unterhalt allgemein. Hier geht es um Spezialfragen des Unterhaltes von Ehegatten und Geschiedenen. 1. Geldunterhalt - Naturalunterhalt: Nach seinem (berechtigten) Auszug aus der Ehewohnung steht dem Gläubiger nur mehr Geldunterhalt zu: OGH 02.04.2009, 8 Ob 24/09a, iFamZ 2009/169, 242. 2. Unterhalt des Geschiedenen nach §§ 67 ff EheG: Siehe dazu Hirsch, Der Billigkeitsbegriff im nachehelichen Unterhaltsrecht, JBl 2008, 545. 3. Zur Unterhaltspflicht nach Scheidung nach § 68a EheG: Anspruchsvoraussetzungen: OGH 21.04.2004, 7 Ob 2/04a, EvBl 2004/188 = ecolex 2005/41, 113; Klage nach dem 31.12.1999 eingebracht: OGH 30.06.2004, 7 Ob 158/04t, ecolex 2005/10, 40; Bemessung: OGH 31.05.2006, 7 Ob 84/06p, ecolex 2006/349, 827; OGH 13.12.2005, 1 Ob 200/05a, JBl 2006, 718 (Lebensstandard muß nicht erhalten bleiben); OGH 15.12.2009, 9 Ob 87/09y, iFamZ 2010/125, 160 (auch bei gehobenen Lebensverhältnissen nach dem Bedarf des Unterhaltsberechtigen zu bemessen); Berechnung: OGH 21.01.2003, 4 Ob 278/02i, ecolex 2003/170, 411 = EvBl 2003/88 = JBl 2003, 526 und OGH 25.03.2004, 3 Ob 246/03b, ecolex 2004/327, 706; OGH 05.06.2008, 6 Ob 108/08p, EF-Z 2008/139, 226; OGH 15.12.2009, 9 Ob 87/09y, Zak 2010/144, 94. Unterhaltsverwirkung bei groben Eheverfehlungen: OGH 25.03.2003, 1 Ob 171/02g, EvBl 2003/114 = ecolex 2003/245, 592 = JBl 2004, 45 (Kerschner), bei Ehebruch: OGH 30.06.2004, 7 Ob 158/04t, ecolex 2005/10, 40 = JBl 2005, 42; Ehebruch muß zur Ehezerrüttung zumindest beigetragen haben, daher keine Unterhaltsverwirkung, wenn die Ehe erst nach Zerrüttung gebrochen wird: OGH 07.02.2007, 2 Ob 193/06f, EF-Z 2007/65, 104 = JBl 2007, 579. Weniger streng: OGH 05.06.2008, 6 Ob 108/08p, EF-Z 2008/139, 226 Literatur dazu: Berka-Böckle, Der verschuldensunabhängige Anspruch nach § 68a EheG, JBl 2004, 223; Hirsch, Zur Höhe des nachehelichen Unterhalts in §§ 68, 69 Abs.3 und 69a Abs.2 EheG, EF-Z 2009/134, 204; Bauer, Zum Ehegattenunterhalt zwischen Rechtskraft des Scheidungsausspruches und Rechtskraft der Verschuldensentscheidung, iFamZ 2009, 354. 4. Unterhaltsbemessung: bei exorbitanten Einkommensunterschieden der Ehegatten: OGH 30.07.2009, 8 Ob 38/09k, EF-Z 2009/140, 220 (40%-Regel gilt nicht). Keine Luxusgrenze im Ehegattenunterhalt: OGH 30.07.2009, 8 Ob 38/09k, iFamZ 2009/247, 358 = Zak 2009/596, 374. Auch nach der Scheidung kann die Geburt eines Kindes den Unterhaltsanspruch des geschiedenen Ehegatten erhöhen: OGH 25.11.2009, 3 Ob 134/09s, Zak 2010/73, 53 = EF-Z 2010/46, 79 = iFamZ 2010/76, 109 = EvBl-LS 2010/57, 375 = ecolex 2010/150, 448 = JBl 2010, 294. Kritisch dazu Hoyer, Betreuung eines Kindes aus einer Beziehung mit einem anderen Mann und Unterhaltsanspruch, EF-Z 2010/125, 187. Literatur dazu: Schwarz, Zum Ehegattenunterhalt infolge des Geburt eines nachehelichen Kindes, ÖJZ 2010/57, 499. 5. Anrechnung beim Unterhaltsberechtigten: Zahlt der Ehemann die Ausstattung an die Tochter (§ 1220 ABGB), so mindert das den Unterhaltsanspruch der Ehegattin: OGH 13.06.2005, 10 Ob 92/04h, EvBl 2005/182. Die Ausgleichszulage hat "subsidiären, sozialhilfeartigen Charakter" und ist deshalb auf den Unterhaltsanspruch nicht anzurechnen: OGH 03.10.2008, 3 Ob 160/08p, EF-Z 2009/13, 19 = EvBl-LS 2009/49, 328 = JBl 2009, 238. 6. Lebensgemeinschaft des Geschiedenen: Sittenwidrig ist das Unterhaltsbegehren des geschiedenen Ehegatten, der in einer homosexuellen Lebensgemeinschaft lebt: OGH 16.03.2007, 6 Ob 28/07x, EvBl 2007/110, 607 (Deixler-Hübner) = JBl 2007, 516 = EF-Z 2007/130, 224 (Ruhen des Unterhaltsanspruches). Literatur: Meissel, Zum Ruhen des Unterhaltsanspruchs bei Eingehen einer Lebensgemeinschaft, EF-Z 2007/126, 209 (Teil I), EF-Z 2008/4, 13 (Teil II). 7. Haben Ehegatten im Scheidungsvergleich für die Zeit nach der Scheidung wechselseitig auf jeden Unterhalt verzichtet, auch für den Fall geänderter Verhältnisse und für den Fall der Not, so ist dieser Unterhaltsverzicht dann nicht wirksam, wenn ein Ehegatte später in eine existenzbedrohende Notlage gerät und der andere in der Lage wäre, Unterhalt zu leisten. Der OGH hält das Beharren des zahlungsunwilligen Ehegatten auf dem Unterhaltsverzicht für sittenwidrig: 24.11.1999, 3 Ob 229/98t, JBl 2000, 513. Siehe auch: OGH 26.02.2001, 3 Ob 133/00f, JBl 2001, 513 (keine Sittenwidrigkeit); OGH 16.10.2009, 6 Ob 212/08g, iFamZ 2010/70, 107 (sittenwidriges Beharren auf dem Unterhaltsverzicht); Geschiedener kann wirksam jedenfalls soweit auf Unterhalt verzichten, als er aus Eigenem den notwendigen Unterhalt bestreiten kann: OGH 23.10.2002, 3 Ob 74/02g, EvBl 2003/37 = JBl 2003, 322. 8. Sonderbedarf: Wohnkosten werden dem unterhaltsberechtigten Ehegatten nur in besonderen Ausnahmefällen zusätzlich zum Unterhalt gewährt: OGH 04.09.2007, 4 Ob 55/07b, JBl 2008, 171. 9. Existenzminimum: Herabsetzung des Unterhaltsexistenzminimums nach § 292b EO, wenn Unterhaltspflichtiger mit Lebensgefährten oder Ehegatten zusammenlebt: OGH 31.08.2006, 6 Ob 184/06m, JBl 2007, 449. 10. Tod des Unterhaltsschuldners: Die Erben haften auch dann nur bis zu Höhe des Reinnachlasses, wenn sie das Erbe unbedingt angenommen haben. Auch zur Ermittlung der Höhe: OGH 27.05.2008, 8 Ob 38/08h, EvBl 2008/163, 853. 11. Rückwirkender Unterhaltstitel? Anders als beim Kindesunterhalt steht dem Ehegatten kein rückwirkender Unterhalt zu. Eine Unterhaltserhöhung wirkt daher erst ab Klage: OGH 08.05.2008, 6 Ob 83/08m, EvBl 2008/178, 956. [192]
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